Umfangreiche Handwerksarbeiten vom „Hausmeister-Service“, ohne Kenntnisse und ohne fundierte Ausbildung

Erstellt am 28. Februar 2018 von

Der Kunde glaubt, einen ausgebildeten und qualifizierten Handwerker beauftragt zu haben. Aber oft weit gefehlt. Viele Handwerksleistungen werden ohne Kenntnisse und ohne jede Ausbildung ausgeführt.

Warum? Weil die „Berufe“ zum zulassungsfreien Handwerk und/oder zum handwerksähnlichem Gewerbe zählen. Dazu genügt ein Gewerbeschein, mehr nicht. Je nach Kommune, kostet der Gewerbeschein zwischen € 20,00 und € 65,00 und ab geht die unqualifizierte „Handwerkspost“!

Weder ist dazu eine Ausbildung, noch irgendeine handwerkliche Qualifikation erforderlich. Sie glauben das nicht? Dann lesen Sie bitte weiter!

Anlass für diesen Artikel war wieder einmal ein Fahrzeug eines Hausmeister-Service (siehe unten), hinter dem ich heute herfuhr. Für mich sind das die Universalgenies vom Hausmeisterservice!

Handwerkerauto

Die Alleskönner vom Hausmeisterservice

Wie man der Fahrzeugbeschriftung entnehmen kann, werden folgende Arbeiten ausgeführt:

  • Renovierungs- und Bauarbeiten
  • Fliesenverlegung
  • Laminatverlegung
  • Malerarbeiten
  • Trockenbau
  • Hausmeisterservice

Was auf den ersten Blick aussieht, wie ein seriöses handwerkliches Universalgenie, ist in Wirklichkeit ein vollkommen unqualifiziertes Unternehmen.

Hinz und Kunz kann sich, ohne jedwede Qualifikation und ohne Eignungsprüfung, einen Gewerbeschein holen, ein Gewerbe anmelden, bei dem keinerlei Ausbildung notwendig ist.

Dann schreibt man sich die oben genannten Tätigkeiten auf das Auto und auf den den Briefbogen. Schon ist man in den genannten Gewerken Handwerksexperte, Universalgenie und Tausendsassa!

Das obige Beispiel zeigt es wieder einmal überdeutlich. Wie unten zu sehen, ist der Betrieb bei der IHK, u.a. als „Trockenbau“ angemeldet.

IHK-Eintrag

Bei IHK als „Trockenbau“ angemeldet. Dazu ist nicht einmal ein Eintrag in der Handwerksrolle notwendig

Hier können Sie einmal die formalen Rahmenbedingungen für die Anmeldung zum „Trockenbau“ lesen:

Handwerksordnung

Formale Rahmenbedingungen für Handwerksbetriebe im Trockenbau

  • Keine Eintragung in die Handwerksrolle der Handwerkskammer nötig
  • Kein Meistertitel erforderlich

Werden jedoch andere handwerkliche Leistungen angeboten, die ein Vollhandwerk berühren, greift die Meisterpflicht! Beim oben gezeigten Beispiel, werden auch Bauarbeiten und Malerarbeiten angeboten. Dazu wäre jedoch eine Meisterprüfung erforderlich!

Unter dem Deckmantel „Hausmeisterservice“, werden regelmäßig umfangreiche andere Handwerksleistungen angeboten und ausgeführt.

In Deutschland darf jede/r, ohne Kenntnisse und Ausbildung, handwerksähnliche Berufe ausüben. Schlechtleistungen, Pfusch und Mängeln, sind damit Tür und Tor geöffnet. Ein, in meinen Augen, unhaltbarer Zustand über den ich mich schon viele Jahre ärgere.

Ein Mann ärgert sich

Über die Universalgenies vom Hausmeisterservice, ärgere ich mich schon viele Jahre

Das Ganze hat seinen Ursprung in der Novelle zur Handwerksordnung vom 1. 1. 2004. Neu strukturiert wurden damals die Anlagen A und B zur Handwerksordnung. Es verblieben nur noch 41 von ehemals 94 Handwerken in der Anlage A. Für alle diese 94 Handwerke, war bis dato eine Meisterprüfung erforderlich.

Seit der Novellierung, bedarf es nur noch in diesen 41 Handwerken eines Meisterbriefes als Voraussetzung für eine Selbstständigkeit im Handwerk. Die restlichen 53 Handwerke wurden – als neu bezeichnete zulassungsfreie Handwerke – in der Anlage B Abschnitt 1 aufgenommen.

Die Politik versprach sich von dieser, meiner Meinung nach schon damals unsinnigen, Novellierung, die zusätzliche Schaffung von Arbeitsplätzen. Ein Schuss, der m.E. nach hinten losging

Das wäre ja in etwa so, als würde man z.B. den Ärztemangel dadurch beheben, dass man Studium und Aprobation abschafft, damit Jedermann/Jedefrau sich ohne Ausbildung als Arzt niederlassen kann! 🙁

Außer dem qualitativen, gibt es aber noch einen wirtschaftlichen Aspekt. Die Hausmeisterfirmen machen mit Dumpingpreisen dem Handwerk das Leben schwer. Warum?

Das Handwerk unterliegt Tarifverträgen, die Stunde seriöse Handwerksleistung von einem qualifizierten und gut ausgebildeten Fachmann, kostet ca. € 45,00/€ 55,00. „Hausmeisterservice“ unterliegt keinem Tarifvertrag, beschäftigt ungelernte Kräfte, häufig nur zum Mindestlohn. Dort wird dann mit Stundenpreisen von ca. € 25,00/€ 35,00 operiert.

Dazu kommt, dass sehr häufig nur billigstes Material minderer Qualität eingesetzt wird.

Ein weiterer Aspekt ist auch die immer geringere Zahl von Lehrlingen. Für deren Ausbildung ist nämlich zwingend eine Meisterprüfung erforderlich.

Hausmeisterfirmen, die andere Handwerksleistungen bewerben, verstoßen grundsätzlich gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) und das Schwarzarbeitsgesetz (SchwArbG). Es muss doch endlich Aufgabe von Kammern, Gewerbeaufsicht etc. sein, solche Auswüchse einzudämmen, zu verhindern und entsprechend empfindliche Strafen auszusprechen.

Schon im letzten Jahr, hatte ich mir zu diesem Thema ordentlich Luft gemacht: „Immer wieder gerne genommen, die Universalgenies vom Hausmeisterservice! Unqualifiziert und ohne Ausbildung

Schließlich empfehle ich zu diesem Thema noch zwei aufschlussreiche Artikel.


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Kommentare

  1. H.- J. Fischer sagt:

    Auch hier ( Raum Regensburg ) fahren etliche Kombis mit der Beschriftung „Hausmeistersevice“ umher. Und was die alles noch dazu anbieten. Ich habe oft gedacht: Donnerwetter, so ein Spektrum. Von Garten über Elektro, Sanitär, Maler, bis zum Dach… echt toll.
    Jetzt, dank W. Deck werde ich diese „Allround“ Könner nicht an mein Domizil lassen.
    DANKE