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Wie Sie sich von der Last des Unerledigten befreien: Anpacken statt aufschieben

Autor: Werner Deck am 25. Februar 2019

Die Steuererklärung! Sie war – nicht ganz überraschend – Spitzenreiter bei unserer kleinen privaten Umfrage zum Thema „Tätigkeiten, die man gerne aufschiebt“.

Überrascht hat uns allerdings, dass auch Menschen, die nach außen hin top-organisiert und sehr diszipliniert wirken, das eine oder andere Aufschiebe-Geheimnis mit uns teilten. Was auch immer es bei Ihnen ist – hier ausgewählte simplify-Tipps, wie Sie Ihre persönlichen Aufschiebegewohnheiten überwinden:

Setzen Sie sich einen Termin!

Schild

Termin

Typischer Aufschiebegrund: Die Aufgabe ist weder zeitgebunden noch besonders eilig. Daher fällt sie Ihnen nur sporadisch ein. Ihr Satz: „Auf ein paar Tage mehr oder weniger kommt es nicht an.“ Beispiele: Jemanden anrufen, mit dem Sie „mal wieder Kontakt aufnehmen sollten“. Einen Zahnarzttermin ausmachen. Den Keller aufräumen.

simplify-Tipp: Wenn Sie das nächste Mal daran denken, erledigen Sie es sofort. Ist das nicht möglich, verwandeln Sie die terminlose Arbeit in eine mit Termin, also: Eintrag im Kalender! Umfangreichere Aufgaben unterteilen Sie in kleinere Einheiten, für die Sie jeweils einen Termin fixieren.

Sie haben viele überschaubare Aufgaben (unter 15 Minuten)? Gehen Sie’s spielerisch an, im Losverfahren: Notieren Sie sich alles, was Sie diese Woche erledigen möchten, auf einzelne kleine Zettel, die Sie in ein Schälchen legen. Ziehen Sie immer, wenn Sie Zeit zur Verfügung haben, einen Zettel, und gehen Sie die betreffende Aufgabe an.

Begrenzen Sie selbst Ihre Zeit!

Typischer Aufschiebegrund: Sie brauchen den Zeitdruck, um sich nicht zu verzetteln. Ihr Satz: Unter Druck arbeite ich am besten. Beispiele: Sie müssen etwas schreiben, einen Artikel, einen Vortrag, eine Rede, einen Gratulationsbrief.

Sanduhr

Zeit begrenzen

simplify-Tipp: Vermeiden Sie Lastminute-Aktionen. Sie mögen dann schnell und konzentriert arbeiten, doch das Ergebnis ist nicht unbedingt das Beste. Beispielsweise, weil Sie die Zahlen auf die Schnelle nicht beschaffen konnen, die Ihre Argumentation untermauern konnten. Oder weil Ihre 08/15-Formulierungen dem Geburtstagskind signalisieren, dass Sie keine Zeit mehr hatten, sich Gedanken zu machen.

Setzen Sie sich selbst ein Zeitlimit – mit genugend Puffer zum spätesten Fertigstellungstermin: Halten Sie sich für den Vortrag, den Sie nächste Woche halten sollen, noch in dieser Woche 2 Nachmittage (15 bis 18 Uhr) frei. Am leichtesten halten Sie Ihren selbst gesetzten Termin ein, wenn Sie jemanden bitten, Ihnen nach etwa 2/3 der Zeit ein Feedback zu Ihrem Entwurf zu geben.

Spielen Sie die Szene durch

Typischer Aufschiebegrund: Sie haben Angst vor unbekanntem und/oder schwierigem sozialen Terrain. Ihr Satz: „Wer weiß, was passiert, wenn ich …“ Beispiele: Sie müssen jemanden anrufen, den Sie noch nicht kennen. Sie möchten im Geschäft eine fehlerhafte Ware reklamieren. Sie haben eine unangenehme Nachricht zu überbringen.

simplify-Tipp: Machen Sie sich innerlich mit der Situation vertraut. Spielen Sie durch, was Sie selbst sagen bzw. tun und was der andere. Fühlen Sie eventuell für Ihr Anliegen vor – beispielsweise durch eine Mail oder über eine andere Person. Überlegen Sie sich für Notfälle einen guten Abgang, z. B. einen Satz, mit dem Sie das Telefonat mit dem unfreundlichen Gegenüber elegant beenden können.

Alternative: Überwinden Sie Ihre Ängste, indem Sie sie ins Lächerliche ziehen (funktioniert nur, wenn Sie das selbst tun). Stellen Sie sich vor, dass der Verkäufer Ihr Umtauschansinnen nicht nur ablehnt, sondern Sie mit einem Besen aus dem Laden jagt. Je absurder das Szenario, desto besser.

Wechseln Sie Ihre Brille!

Typischer Aufschiebegrund: Bereits der Anblick der Aufgabe sorgt dafür, dass sich Ihnen die Nackenhaare aufstellen. Ihr Satz: „Das ist mir viel zu mühsam (langweilig, nervig, zeitraubend …).“ Beispiele: Der Stapel mit den Versicherungsangeboten. Der Erinnerungszettel für den Anruf bei Tante Alwine. Das ungeputzte Badezimmer.

Hund

Brille wechseln

simplify-Tipp: Starren Sie nicht auf die Arbeit, sondern konzentrieren Sie Ihre Gedanken auf das – erfreuliche – Ergebnis. Sprechen Sie nicht von „Versicherungskram“, den Sie durchsehen müssen, sondern von „Geldspar-Chancen“, die Sie wahrnehmen wollen.

Erinnern Sie sich nicht mit einem „Tante Alwine!!!!!“-Zettel daran, dass diese auf Ihren Rückruf wartet, sondern legen Sie sich als Zeichen für die Freude, die Sie ihr bereiten werden, ein nettes Foto von ihr neben das Telefon.

Sagen Sie sich „In 1/2 Stunde liebe ich unser Badezimmer wiederg statt „1/2 Stunde putzen – wie ätzend!“ Stellen Sie sich dabei vor, wie Sie genüsslich ein Bad nehmen oder sich vor einem frisch geputzten, blitzeblanken Spiegel rasieren.

Steigern Sie Ihre Erfolgschancen!

Typischer Aufschiebegrund: Sie verbinden mit der Sache jede Menge Misserfolgserlebnisse. Ihr Satz: „Bestimmt geht das auch dieses Mal wieder schief.“ Beispiel: Sie suchen nach zig erfolglosen Bewerbungen immer noch eine neue Stelle. Sie möchten abnehmen, haben aber schon etliche erfolglose Diäten hinter sich.

Diagramm

Erfolgschancen steigern

simplify-Tipp: Machen Sie sich klar, welche Folgen Ihr Zögern hat. Wenn Sie sich nicht schnell auf eine ausgeschriebene Stelle bewerben, haben Sie gar keine Chance, diese zu bekommen. Wenn Sie nicht bald mit einem Abnehmprogramm beginnen, riskieren Sie, über Weihnachten noch mehr an Gewicht zuzulegen.

Blenden Sie Ihre Misserfolge nicht aus, sondern analysieren Sie sie: Woran hat es gelegen? Was können Sie dieses Mal besser machen?

Entlarven Sie Ihre Ausreden!

Typischer Aufschiebegrund: Weil Ihnen nicht bewusst ist, wie unangenehm Ihnen eine Aufgabe ist, fallen Sie gutgläubig auf Ihre eigenen Ausreden herein. Ihr Satz: „Morgen ist auch noch ein Tag.“ Beispiele: Den Lebensmittelgroßeinkauf im Vorratskeller verstauen. Die Abrechnung mit der Krankenkasse vornehmen. Den Schreibtisch aufräumen.

simplify-Tipp: Schenken Sie Ihren Ausreden keinen Glauben („Mein Rücken zieht gerade so!“ – „Für die paar Rechnungen lohnt sich das eigentlich nicht“). Gestehen Sie sich ein: „Ich schiebe es auf, weil ich keine Lust habe.“ Dann kehren Sie den Satz um und sagen sich: „Weil ich keine Lust habe, bringe ich es gleich hinter mich.“ Genießen Sie die gute Laune, die Ihnen die Erledigung danach beschert.

Wenn Sie mögen, machen Sie in der Familie oder mit Kollegen einen kleinen Wettbewerb daraus: Wer hat heute mehr „Keine Lust“-Aufgaben erfolgreich bewältigt?

Autorin: Dr. Ruth Drost-Hüttl

Mit freundlicher Genehmigung des Orgenda Verlag. Quelle: simplify-Newsletter und simplify-Homepage.